Vielleicht kennst du das von dir: Es fällt dir enorm schwer, die Kontrolle über eine Sache oder eine Situation aus der Hand zu geben und die Dinge ihrem Lauf zu überlassen. Oder andere mit einer Aufgabe alleine zu lassen und abzuwarten, was passiert. Dieser Kontrollzwang und die Schwierigkeit Dinge loslassen zu können sind keine Seltenheit. Allerdings weißt du vermutlich selbst, dass diese Eigenschaften dir oft im Weg stehen. Warum es sich lohnt, in dieser Hinsicht an dir zu arbeiten und wie das funktionieren kann, will ich dir heute erklären.

 

Vom Kontrollieren-wollen und Nicht-loslassen-können

Gerade Menschen, die sensibel und intelligent sind, wird nachgesagt, dass sie Probleme damit haben, loslassen und die Kontrolle abgeben zu können. Und einfach darauf zu vertrauen, dass sich die Dinge "zum Guten" entwickeln. Und da mag auch etwas dran sein. Denn wer viel reflektiert, wer viel über Situationen und deren mögliche Entwicklung nachdenkt, stößt zwangsweise auch auf mögliche Szenarien, die man gerne vermeiden möchte.

 

Bist du dann auch noch sensibel, nimmst du vieles persönlich und fühlst du dich schnell angegriffen, fällt es dir vermutlich umso schwerer, einfach zuzuschauen, wie sich etwas entwickelt. Schließlich könnte es dann zu deinen Ungunsten herauskommen. Kontrollierst du die Dinge aber, so denkst du vermutlich, minimierst du die Chance, dass es dir hinterher schlechter geht, als vorher.

 

Grundsätzlich ist der Wunsch nach Kontrolle der eigenen Lebensumstände ein Basisbedürfnis unserer Psyche. Jeder will seine Geschichte selbst schreiben und vertraut in der Regel sich selbst am meisten. Doch genau hier musst du ansetzen, wenn du im Privaten, wie im Geschäftlichen wachsen möchtest: Die anderen schreiben an deiner Geschichte mit. So ist das Leben. Und wenn du ihnen nicht vertraust, überlädst du dich und bist permanent gestresst. Kannst du nichts loslassen oder abgeben, versetzt du Körper und Psyche in einen Zustand ständiger Anspannung. Das führt auf Dauer zu Unzufriedenheit und schlimmstenfalls zu Krankheiten und Depression.

 

Du solltest zunächst verstehen, dass Loslassen etwas ganz Natürliches ist. Und dass es sich positiv auf dich auswirkt, wenn du lernst, häufiger die Kontrolle abzugeben. Du tust dies übrigens im Alltag immer wieder. Und zwar in verschiedenen Situationen und bei Dingen, die anders auch gar nicht funktionieren.

 

Loslassen im Alltag – Eigentlich etwas ganz Natürliches

Das erste und offensichtlichste Beispiel, wo du die Dinge täglich einfach passieren lässt, ohne sie kontrollieren zu wollen, ist der Gang auf die Toilette. Sicher, du kannst bestimmen, wann dieser erfolgt, irgendwann wird dein Körper aber klare Signale geben, dass es jetzt so weit ist. Und dann setzt du dich hin und lässt es einfach geschehen. Und in der Regel klappt dann ja auch alles, wie es sollte.

 

Ähnlich ist es beim Einschlafen. Auch hier musst du, wenn du auf gesunde Weise ins Land der Träume willst, einfach geschehen lassen. Du kannst nicht kontrollieren wann genau du einschläfst. Du schließt die Augen und wartest einfach ab, überlässt es der Natur und deinem Biorhythmus, wann und wie dein Unterbewusstsein übernimmt und du für einige Stunden abschaltest. Versuchst du dagegen krampfhaft so schnell wie möglich einzuschlafen, erreichst du vermutlich eher das Gegenteil. Diverse Einschlafratgeber betonen daher auch, dass es wichtig ist, fürs Einschlafen unter anderem einfach loszulassen.

 

Auch beim Spielen, also einer der natürlichsten Beschäftigungen der Welt, die schon die kleinsten Kinder ausüben, ist das Loslassen ganz entscheidend. Nach Meinung der Wissenschaft helfe das Spielen dabei durch Versuch und Irrtum zu lernen und dabei Dinge über das Leben und die Welt zu erfahren.

 

Spannend ist, dass Spielen nur funktioniert, wenn du die Kontrolle abgeben kannst. Denn ein Spiel ist immer auch ein Versuch und ein Versuch ein Experiment. Und der Ausgang eines jeden Experimentes ist ungewiss. Spielen macht dann Spaß, wenn diese Ungewissheit voll angenommen und jedes Ergebnis als interessante Erfahrung verbucht wird. Das gilt für alle möglichen Arten des Spielens. So etwa auch beim Pokern oder im Casino. Wer davon ausgeht, mit Glücksspiel reich zu werden, sollte erst gar nicht spielen. Denn wie jedes andere Spiel, lässt sich auch dieses nicht vollkommen kontrollieren. Und erst, wenn man auch verlieren kann, macht das Gewinnen so richtig Spaß!

 

Und schließlich hilft dir das Loslassen auch bei Schmerzen und in der Liebe. Klammerst du dich an einen Schmerz oder eine aufgelöste Beziehung, tut es nur noch mehr weh. Schaffst du es aber, die Dinge sein zu lassen und loszulassen, vergehen Schmerz und Kummer eher und dir geht es schneller wieder besser.

 

Warum Kontrollzwang das Business ausbremst

Dauerhafter Kontrollzwang ist auch für dein Business besonders schädlich. Wenn du dir alleine etwas aufgebaut hast, siehst du dein kleines Unternehmen bestimmt wie eine Art Baby. Und dass man sein eigenes Kind nicht gerne in die Hände anderer gibt oder gar mit anderen teilt, ist natürlich auch klar.

 

Aber ab einem gewissen Punkt bremst das ständige Kontrollieren-müssen und Selbst-erledigen-Wollen das Wachstum eines Geschäfts einfach nur aus. Niemand kann ab einer gewissen Geschäftsgröße die Arbeit komplett selbst erledigen, Emails an Kunden und Rechnungen schreiben, die Buchhaltung machen usw. Und selbst, wenn es irgendwie möglich wäre, bleibt dann keine Zeit mehr für irgendetwas anderes und die Arbeit wird zum Leben. Und das solltest du gezielt vermeiden.

 

Denn dann wird langsam auch dein Stresspegel steigen und das Gefühl, dass du überfordert bist, schleicht sich nach und nach ein. Anfangs bewältigst du noch alles, kommst vielleicht sogar in einen Flow. Aber irgendwann ist es soweit und das, was du dir selbst erarbeitet hast, um vielleicht endlich unabhängig und frei zu sein, macht dir keinen Spaß mehr. Nur, weil du dir zu viel Arbeit aufgeladen hast.

 

Übrigens spüren auch Kunden es, wenn jemand gestresst und genervt ist und nicht locker bei der Arbeit sein kann. Mit solchen Menschen macht man weniger gerne Geschäfte, als mit ausgeglichenen, zufriedenen Geschäftsführern. Denn die strahlen auch aus: Bei uns läuft es gut und man kann uns vertrauen.

 

Es gilt also gerade im Businessbereich: Aufgaben gezielt abgeben! Aber wie und welche Aufgaben?

 

Aufgaben gezielt abgeben an andere

Kommen wir gleich zum Punkt: Wenn du wachsen und langfristig erfolgreich mit deinem Business sein willst, musst du Aufgaben abgeben, die dir nicht absolut liegen. Es geht darum, dass du dich, sagen wir mit 70% - 80% deiner Energie, um die Dinge kümmerst, die du wirklich kannst und auf die due Lust hast. Nur so bleibst du motiviert, schöpfst dein Potenzial voll aus und nutzt die Zeit, die du hast, effizient aus.

1. Es geht also zunächst darum, deinen Bereich zu definieren und dein "Talent" zu finden. Das funktioniert, indem du dir etwa eine Liste anlegst, die alle Aufgaben beinhaltet, die in deinem Geschäft anfallen.

 

2. Anschließend sortierst du die Aufgaben nach %-Werten, die definieren, wie gut du in ihnen bist. Alles, was so etwa unter 80% fällt, solltest du langfristig abgeben. Denn diese Dinge kosten dich zu viel Energie, als dass du sie wirklich gerne und locker machst.

 

3. Anfangs kannst du es dir vielleicht noch nicht leisten, für jede Aufgabe jemand einzelnen einzustellen. Mitarbeiter können aber oft auch Aufgaben aus unterschiedlichsten Bereichen übernehmen. Wichtig ist, auf die entsprechenden Qualifikationen zu achten.

 

4. Mache nicht den Fehler zu denken, dass du ja jetzt jemanden bezahlen musst und dann nicht mehr so viel verdienst. Du kannst dich jetzt voll und ganz um die Aufgaben kümmern, die dir wirklich liegen. Du erledigst damit in der gleichen Zeit sicher mehr Dinge, denn die Arbeit macht dir dann ja tatsächlich Spaß. Entsprechend solltest du auch rechnen. Letzten Endes ist das der Schlüssel zu Wachstum und mehr Umsatz in der Zukunft.

 

5. Bist du noch unsicher, kannst du ja zunächst auch jemanden für einige Stunden die Woche einstellen und schauen, wie es läuft. Im Regelfall fällt der Groschen dann ganz von alleine und die zu spürende Entlastung überzeugt dich, zukünftig die Kontrolle auch mal abzugeben und Aufgaben im Sinne des Geschäfts loszulassen.

Es gibt einige sogenannte „Stressabbau Übungen“, welche auch beim Loslassen helfen können. Schau sie dir doch einmal an und probiere es aus! Ein Versuch ist es allemal wert.

 

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