Juliane Müller hat zwei Ausbildungen, ein Bachelor- und ein Masterstudium absolviert und arbeitet nun als selbstständige Fashion-Bloggerin. Sie hat damit ihr Hobby zum Beruf und ihren Traum wahrgemacht. Doch was bedeutet es eigentlich, Blogger zu sein? Wie sieht der Alltag dieser Berufsgruppe aus und wie verdienen Fashion-Blogger ihr Geld? Ich habe mit der 30-jährigen über all das und noch mehr gesprochen und somit spannende Einblicke in eine noch recht neue Geschäftsidee erhalten.

Guten Tag Frau Müller, erzählen Sie uns doch erst einmal etwas zu Ihrer Person.

Juliane Müller: Ich bin 30 Jahre alt und komme aus der kleinen süßen Stadt Ilmenau. Mein Abi habe ich in Erfurt gemacht und eine Ausbildung zur Gestaltungstechnischen Assistentin mitgenommen. Danach habe ich dann in der Ilmenauer Stadtbibliothek noch eine Ausbildung gemacht. Anschließend bin ich dann für fünf Jahre nach Leipzig zum Studium der Bibliothekswissenschaft gegangen. Eine ganze Menge Stationen. Der Beruf der Kinder- und Jugendbibliothekarin gefällt mir immer noch riesig, aber während des Studiums habe ich einen lang gehegten Traum wahrgemacht und einen Blog gegründet. Seit meinem Masterabschluss im März arbeite ich selbstständig an meinem Blog und schaue, wo der Weg hinführt.

 

Sie sind selbstständige Fashion-Bloggerin. Sicher weiß nicht jeder etwas damit anzufangen. Können Sie Ihre Geschäftsidee und Ihr Business einmal genauer erklären?

Juliane Müller: Wie es der Name schon sagt, geht es auf meinem Blog um alles rund um das Thema Mode. Ich zeige dort Outfits, einzelne Kleidungsstücke und Accessoires. Neben den Fotos der Looks erzähle ich dazu auch, warum ich was wie trage, was mich zu dem Look inspiriert hat oder welche kleinen Katastrophen ich beim Shoppen oder in verzweifelten Minuten vorm Kleiderschrank erlebe. Ein Business wird aus dem Fashion Blog, wenn sich zunehmend Leser finden, sich die Reichweite erhöht und der Blog somit attraktiv für Unternehmen wie Online Shops wird. Diese wiederum bezahlen für die Erwähnung oder auch das Platzieren eines Links zu ihrem Shop auf meinem Blog oder auch einen Post auf meinen Social Media Kanälen.

 

Man kann also sagen, dass Sie Ihr Hobby Mode zum Beruf gemacht haben?

Juliane Müller: Eigentlich kann man das schon so sagen, denn daraus ist das Ganze definitiv entstanden. Ich habe mich schon immer für Mode interessiert, war schon immer viel zu viel shoppen und habe ehrlich gesagt sogar während meines Studiums der Bibliotheks- und Informationswissenschaft lieber Modemagazine statt Literatur konsumiert.

 

Wie kann man sich den Alltag einer Fashion-Bloggerin vorstellen?

Juliane Müller: Ich glaube, viele stellen sich den Alltag einer Fashion-Bloggerin glamourös oder aber auch sehr relaxed vor. In Wahrheit ist es aber so, dass man nicht ständig unterwegs auf Shows ist und Goodie Bags einsammelt. Wir bekommen nicht alles geschenkt und platzieren dafür nur einen Link unter einem schnell gemachten Foto und haben dann den restlichen Tag Freizeit. Mein Alltag besteht aus ganz vielen Dingen, da sind die Schönen, Kreativen wie: Outfits zusammenstellen, Inspiration in Magazinen tanken, Fotoshootings für den Blog und für Instagram, Bilder bearbeiten, Texte schreiben. Und dann sind da noch die Dinge, die oft nicht gesehen werden, aber super wichtig sind: Mails schreiben, sich bewerben, nach Aufträgen suchen – nicht easy in einem Meer von Fashion Blogs. Rechnungen schreiben, den eigenen Blog auf diversen Plattformen bewerben, andere Blogs kommentieren, den Instagram-Account bedienen und auch dort sozial aktiv sein, nebenbei die technische Seite des Blogs und die CI im Auge behalten und stetig verbessern. Alles Dinge, die sich natürlich vom Home Office aus erledigen lassen. Aber dennoch Dinge, die uns Bloggerinnen den ganzen Tag rund um die Uhr beschäftigen. Ganz abschalten, mal total offline sein – kaum vorstellbar.

 

Wie wird man eine Fashion-Bloggerin?

Juliane Müller: Das habe ich mich vor mehr als zwei Jahren, als ich ganz am Anfang stand, auch gefragt. Ich kannte viele Blogs und der Schritt, das auch zu versuchen, war für mich nicht so leicht. Eben weil es schon so viele gibt und der Markt hart umkämpft ist. Wenn man aber Spaß an Mode hat, ein Gefühl für Stil und vor allem den eigenen Style und dann auch noch Freude am Schreiben hat, dann kann man sich schon trauen. Mit viel Konsequenz und Hartnäckigkeit, Networking auf verschiedensten Blogger-Veranstaltungen kommt man dann doch ganz gut in dem Job an. Das Wichtigste neben all den eigenen Grundvoraussetzungen ist ein guter Background. Eine Familie, die diesen ungewöhnlichen Beruf akzeptiert, versteht und unterstützt. Freunde, die verstehen, dass man vielleicht länger braucht, weil man noch schnell ein Foto vom leckeren Kaffee machen muss. Ein Partner, der Verständnis dafür hat, dass das Smartphone ewiger Begleiter ist und der im Idealfall sogar dazu bereit ist, einen freien Tag zu opfern, um Fotos zu machen.

 

Sie sind studierte Bibliothekarin. Hilft Ihnen Ihr erlernter Beruf hin und wieder in der Selbstständigkeit?

Juliane Müller: Zu Beginn haben viele Leute gesagt, es wäre doch schade, dass ich nach meinem Masterabschluss nichts aus meinem Studium mache. Ich sage dann immer, dass das Studium ja nicht umsonst war, denn ich habe viel gelernt, was mir in der Selbstständigkeit heute hilft. Neben dem wichtigsten Werkzeug, das man auch als Bibliothekarin haben muss, die Recherchekompetenz, habe ich viel über mich selbst gelernt. Ich denke, im Studium habe ich gemerkt, was ich wirklich machen möchte und wie ich arbeiten will. Zudem denke ich, jeder, der studiert hat, weiß, wie oft man auch hier an seine Grenzen kommt, wie kräftezehrend es sein kann, eben nicht um 17.00 Uhr Feierabend und den Kopf frei zu haben und wie wichtig es ist, Selbstdisziplin zu haben und sich selbst zu organisieren.

 

Mit welchen Herausforderungen müssen Sie sich im täglichen Geschäft herumschlagen?

Juliane Müller: Herausforderungen gibt es viele. Sich als Blogger immer wieder selbst zu erfinden und trotzdem bei sich selbst zu bleiben zum Beispiel. Die Konkurrenz ist so groß, da ist es manchmal verlockend, auf einen Trend-Zug aufzuspringen und das zu machen, zu zeigen, zu sagen, was alle tun, was vermeintlich Erfolg bringt. Aber da gibt es natürlich auch viel banalere Herausforderungen wie die erste Steuererklärung, die manchmal mühsamen Verhandlungen mit Kooperationspartnern oder das Überwinden einer Schreibblockade.

 

Und was sind die großen Vorteile Ihres Berufs?

Juliane Müller: Der größte Vorteil ist, dass ich für mich selbst arbeite, was selbst in tiefsten Tiefs dann doch wieder Motivation bringt. Das was man sich aufbaut, tut man für sich selbst und lernt dabei immer mehr. Ich bin mein eigener Boss und kann mich auf meinem Blog, in meinen Outfits und meinen Texten ganz frei ausleben.

 

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen, um in Ihrer Branche Fuß zu fassen?

Juliane Müller: Gute Voraussetzungen sind auf jeden Fall Kreativität, Spaß an Mode und dem Schreiben und ein dickes Fell. Es gibt immer wieder Rückschläge, Kritiken und Durststrecken und die Konkurrenz ist groß. Da sind Durchhaltevermögen und Willensstärke gefragt. Wichtig ist auch Disziplin, denn man muss dran bleiben, am besten täglich etwas für den Blog und die Social Media Kanäle tun, ganz egal ob Wochenende, Feierabend oder Urlaub im Terminplan steht.

 

Haben Sie einen Tipp, den Sie angehenden Fashion-Bloggern mit auf den Weg geben würden?

Juliane Müller: Idealerweise fängt man das Bloggen übrigens nicht gleich mit dem Ziel der Selbstständigkeit an, sondern baut sich erst einmal eine Basis auf. Ich habe ja auch neben dem Studium begonnen als Hobby zu bloggen, der sichere Abschluss fühlt sich in einer Selbstständigkeit auf jeden Fall gut an. Wenn man dann merkt, dass es noch besser laufen könnte, wenn man mehr Zeit investieren kann und damit auch langsam Geld verdient, dann kann man über den Schritt in die Selbstständigkeit nachdenken. Dann gilt wie oben bereits immer mal erwähnt: Gib nicht auf und lass dich nicht unterkriegen!

 

Und zu guter Letzt die Frage aller Fragen: Womit verdient ein Fashion-Blogger Geld?

Juliane Müller: Wie Blogger in anderen Branchen auch verdienen wir Geld mit Advertorials, Affiliate-Links oder dem Schreiben von Beiträgen in Magazinen oder anderen Blogs. Agenturen beauftragen uns, für Shops Beiträge zu schreiben und einen Link zu platzieren oder ein Produkt zu zeigen. Umso größer die Reichweite des Bloggers, umso besser werden auch die Auftragslage und der Verdienst. Das gleiche gilt auch für Instagram. Wichtig zu erwähnen ist dabei vielleicht aber, dass das noch lange nicht bedeutet, dass Blogger alles umsonst bekommen oder für ihre Meinungsäußerung auf dem Blog bezahlt werden. Gefällt ein Produkt nicht, passt es nicht zum Blog, dann werden Aufträge auch abgelehnt. Als Blogger authentisch und ehrlich gegenüber seinen Lesern zu sein ist immens wichtig.

 

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Juliane Müllers Blog Julies Dresscode im Internet

Juliane Müllers Blog Julies Dresscode auf Instagram

 

Foto: © DLPhotography